Verfasst am: 23.07.2013

Von:  Martin Metzenbauer

Job zwischen Palmen und Korallen

Die Österreicherin Barbara Gratzer ist Riff-Managerin im Luxusresort Huvafen Fushi. Upper Deck Travel führte ein Interview mit der jungen Österreicherin.

Die 28-jährige Barbara Gratzer kümmert sich auf Huvafen Fushi um Korallen und Gäste (Fotos: Huvafen Fushi).

Wenn man statt der Aktentasche in der Früh die Schnorchelausrüstung einpackt, statt sich durch den Stau zu quälen zu Fuß über den Strand zu seinem Arbeitsplatz läuft und sich statt griesgrämiger Kollegen freundlichen Papageienfische gegenüber sieht - dann klingt das schon sehr nach einem ungewöhnlichen Job. Für viele wahrscheinlich nach Traumberuf, vor allem wenn er sich an einem der wohl schönsten Plätze der Erde befindet.

Die gebürtige Wienerin Barbara Gratzer hat Ökologie mit Schwerpunkt Meeresbiologie in Wien und Innsbruck studiert. Seit kurzem betreut sie das rund 2,5 Kilometer lange Riff rund um die Malediveninsel Huvafen Fushi, dem Lebensraum des harmlosen Ammenhais, des Peitschenschwanzrochens oder eben des schillernden Papageienfischs. Huvafen Fushi ist aber nicht nur ein Refugium für allerlei Meeresbewohner, sondern auch für zweibeinige Landbewohner, die in einem exklusiven Resort mit nur 43 Bungalows und Pavillons schöne Tage verbringen dürfen. "Huvafen Fushi" bedeutet in der maledivischen Landessprache Dhivehi tatsächlich auch "Trauminsel".

Die 28-Jährige kümmert sich um die Erweiterung und Pflege des empfindlichen Riffs und bietet Kindern und Erwachsenen Einblicke in die Meeresbiologie. Gäste können die Unterwasserwelt nicht nur bei Schnorchel-Expeditionen entdecken, Barbara Gratzer begleitet sie auch während nächtlicher Erkundungstouren. Huvafen Fushi ermöglicht Naturliebhabern außerdem mit der Adoption einer Koralle aktiv an der Erhaltung und Entwicklung des fragilen Riffs teilzuhaben. Upper Deck Travel hatte die Möglichkeit, sich mit Barbara Gratzer über diesen ungewöhnlichen Job zu unterhalten.

Upper Deck Travel: Was genau ist Ihre Aufgabe auf Huvafen Fushi?

Barbara Gratzer: Ich bin Ansprechpartnerin rund um das Thema Meeresbiologie und für den Schutz und die Pflege des sensiblen Ökosystems vor Ort verantwortlich. Ich kümmere mich zum Beispiel um die Korallenaufforstungsprojekte und leiste meeresbiologische Kinderbetreuung und Aufklärungsarbeit in dem ich den kleinen Gästen die Unterwasserwelt erkläre und mit ihnen auf Tour gehe, um sie für dieses Thema zu sensibilisieren.

Darüber hinaus biete ich unseren Gästen an, Korallen zu adoptieren, ich gebe Präsentationen allgemein zum Meer und führe die SpaQuarium-Erkungstour durch. Gerade sind wir dabei, eine Unterwasserlandkarte zu erstellen und dann kommen noch ein paar Projekte, die wir für die Zukunft vorbereiten. Eine zweite Korallenaufzucht zum Beispiel. Im Grunde hört die Arbeit als Meeresbiologe nie auf.

Kein alltäglicher Arbeitsplatz: Das exklusive Resort auf der Malediveninsel Huvafen Fushi.
 
Upper Deck Travel: Was können Sie den Resort-Gästen zeigen?

Barbara Gratzer: Mit Gästen, die Adoptiveltern einer Koralle werden wollen, gehe ich die Unterwasserwelt erkunden und helfe ihnen dabei, die richtige Koralle auszusuchen. Die Korallen"kinder" haben wir bereits vorbereitet. Derzeit haben wir schon 1650 Adoptionen. Wir haben auf Huvafen Fushi ein prächtiges Hausriff, welches wir mit dem Projekt zusätzlich aufforsten. Weil das Riff gesund ist, gibt es viele Haie, auch junge Haie vor allem von Dezember bis Januar. Das Riff dient rund 1100 Fischarten und einer Vielzahl an Rochen und kleinen Haiarten, aber auch Schildkröten als Lebensraum und so existieren hier sehr viele verschiedene Arten auf engstem Raum zusammen.

Obwohl Korallenriffe nur 0,1 Prozent der Wasseroberfläche bedecken, so leben in ihnen 25 Prozent aller Meereslebewesen. Auch die Korallen unterscheiden sich, es gibt langsam wachsende massive Korallen, die Gehirnkoralle etwa, und schneller wachsende Arten (10-20 cm), wie die Geweihkorallen zum Beispiel.

Upper Deck Travel: Wie sieht so eine SpaQuarium-Erkundungstour aus?

Barbara Gratzer: Ich begleite die Gäste, die nachts nicht schnorcheln möchten, zwei Mal wöchentlich auf dieser Tour, die uns über einen langen Holzsteg in das Unterwasser-Spa von Huvafen Fushi führt. Tagsüber können Gäste hier während ihrer Behandlungen die schillernde Unterwasserwelt beobachten, nachts verwandelt sich das Spa in ein großes Aquarium, das ganz andere, neue Eindrücke bietet. Ich gebe einen Vortrag und dann schalten wir die Lichter aus.

In acht Metern Tiefe haben Gäste hier die Möglichkeit, mit einer speziellen Taschenlampe bewaffnet, fluoreszierende Korallen, sowie viele farbenprächtige Fische und sehr seltsam aussehende Kleintiere und Plankton, das nachts leuchtet, zu beobachten. Viele dieser Tiere sind im Tageslicht gar nicht sichtbar. Auf der SpaQuarium-Erkundungstour gibt es übrigens auch einen Snack: Fruchtspieße und Champagner.
 
Upper Deck Travel: Wie funktioniert die Korallen-Adoption?

Barbara Gratzer: Die Korallenadoption ist Teil des Korallenaufforstungsprojekts und ermöglicht Gästen, zur Erhaltung des Riffs beizutragen. Nach einem Vortrag, der erklärt, warum Korallenriffe von so großer Bedeutung sind, dürfen sich die Gäste einen Namen für ihre Koralle aussuchen und bekommen dann ein Nummernschild für ihren Schützling ausgehändigt.

Dann schwimmen wir – ausgestattet mit Flossen und Schnorchel - zur Nähe des Spas, denn hier befinden sich die Korallen auf extra angefertigten Betonplattformen. Jeder darf herunter tauchen und eine Koralle auswählen. Diese wird dann vorsichtig entfernt und wir schwimmen mit der Koralle ca. 200 Meter zur Coral Nursery. Hier werden die Korallen auf speziellen Gitterplattformen befestigt bevor sie nach einem Jahr intensiver Pflege am Riff verpflanzt werden. Die "Eltern" halten wir zwei Mal jährlich mit Updates über ihren Schützling auf dem Laufenden.

Kinderzimmer für Korallen.

Upper Deck Travel: Welche Besonderheiten in Flora und Fauna gibt es an Ihrem Arbeitsplatz?

Barbara Gratzer: Die Unterwasserwelt in den Malediven ist und bleibt einmalig. Die Korallenriffe sind zauberhaft, es gibt Walhaie und Manta-Rochen und viele verschiedene Haiarten, sowie viele Wale, die hier herkommen, weil die Malediven von tiefen Gewässern umgeben sind und hier reichlich Plankton und Fische zu finden sind.
 
Upper Deck Travel: Wie sieht Ihr typischer Arbeitstag aus?

Barbara Gratzer: Den gibt es im Grunde nicht, da alles relativ spontan von Wetter und den Gästen abhängig ist. Ich bin jedoch viel mit den Korallen in der Coral Nursery beschäftigt: Wir putzen die Korallen regelmäßig, messen ihr Wachstum und pflanzen sie aus und schicken Updates an die Besitzer. Das ist ganz schön viel Arbeit. Dann sind da noch die verschiedenen Präsentationen, die SpaQuarium-Tour, die marinebiologische Kinderbetreuung…

Upper Deck Travel: Wie sind Sie überhaupt zu diesem Job gekommen?

Barbara Gratzer: Ich wollte als Kind immer Biologin werden. Mein Opa war Förster und hat mich oft bei seinen Routinegängen in den Wald mitgenommen. Das habe ich geliebt. Und mein Vater war auch immer sehr naturverbunden. Als Kind bin ich oft mit ihm Kanufahren gegangen, wir haben im Zelt geschlafen und ich war den ganzen Tag draußen.

Meine Liebe zum Wasser hat auch schon früh begonnen. Meine Oma, die am Bodensee wohnt, erzählte mir, dass ich immer erst mit blauen Lippen aus dem See zu bekommen war, weil ich so gerne im Wasser spielte. Und als ich dann mit 18 nach Australien kam, wollte ich unbedingt einmal Tauchen ausprobieren. Ich habe mich in Cairns für einen Open Water Kurs angemeldet und war das erste Mal im Meer tauchen. Bei meinem ersten Tauchgang schwamm eine Schildkröte an mir vorbei und ich war überwältigt. Ich schwamm hinterher, vergaß alles um mich und war sehr neugierig, was eine Schildköte so macht den ganzen Tag. Ein paar Monate später hab ich mich dann an der Uni für Biologie eingeschrieben und wollte seither Meeresbiologin werden.
 
Upper Deck Travel: Wie ist es so, ständig auf einer Trauminsel zu leben? Wird das nicht mit der Zeit langweilig?

Barbara Gartzer: Langweilig wird es eigentlich nie. Oft erfreut man sich an den kleinen Dingen: Wie ein Polyp seine Tentakel aus seiner Korallenkolonie streckt zum Beispiel. Oder wenn ich eine Babynacktschnecke entdecke. Das sind nämlich die hässlichsten Tiere an Land, aber die schönsten unter Wasser – alle Farben und Formen gibt es da. Oder über Oktopusse freue ich mich immer sehr. Weil die sehr neugierig sind und einen manchmal auch sehr nah heranlassen. Einmal durfte ich einen Oktopus berühren und er ist nicht geflüchtet. Das war sehr besonders. Auch über besondere Begegnungen mit Haien oder Schildkröten. Hier habe ich zum ersten Mal Manta-Rochen gesehen, das war einfach unglaublich. Ich hatte Tränen in den Augen vor Ehrfurcht.

Und natürlich ist es immer interessant andere Kulturen kennen zu lernen und es war schließlich auch ein Grund, warum ich diesen Beruf gewählt habe. Ich wollte die Welt bereisen, aber nicht als Backpackerin, sondern als Meeresbiologin. Und die Malediven sind wahrhaftig außergewöhnlich. Die Landschaft, das Essen, die verschiedenen Einflüsse aus Indien und Sri Lanka und den arabischen Ländern.

Video: YouTube, Elite Resorts of Asia


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