Verfasst am: 30.06.2013

Von:  Martin Metzenbauer

Wohnen im Palast: Kempinski Palace Portorož

Das mehr als 100 Jahre alte Grand Hotel überzeugt mit einer Fusion aus klassischer Hotelkultur mit modernen Zutaten.

Fotos: Martin Metzenbauer

So schick moderne Designhotels sein mögen - den besonderen Charme der klassischen, alten Grandhotels können sie oft nicht erreichen. Eine dieser Grandes Dames befindet sich im ehemals mondänen Sommerfrischeort Portorož an der slowenischen Adria. Eröffnet 1910, galt es als eines der schönsten und größten Hotels an der Adriaküste. Nachdem es nach den Wirren zweier Weltkriege vor allem in den 1960er Jahren zum Treffpunkt des internationalen Jet-Sets geworden ist, folgte gegen Ende des 20. Jahrhunderts der Niedergang des einstmals stolzen Hauses. Dieser gipfelte in der Schließung des Hotels im Jahr 1990.

Nach der Unabhängigkeit Sloweniens konnte das "Palace" allerdings knapp vor dem hundertjährigen Geburtstag eine Art zweite Geburtsstunde erleben. Nachdem das Haus um 100 Millionen Euro von Grund auf renoviert und erweitert wurde, hat es mittlerweile seinen Status als eines der führenden Häuser der Region wieder erreicht. Upper Deck Travel hat sich im "Kempinski Palace Portorož" umgesehen.

Wenn man sich dem Hotel zum ersten Mal nähert, merkt man schon, dass man es mit einem ganz besonderen Objekt zu tun hat. Unter den mehr oder weniger hübschen Hotels des beliebten Ferienorts Portorož sticht es ganz klar hervor - man merkt bereits von weitem, dass dieses Haus in einer Klasse für sich spielt. Wie der Name keineswegs bescheiden andeutet, handelt es sich tatsächlich auch optisch um einen Palast inmitten eines wunderbar gepflegten Parks.

Obwohl man in der Umgebung das eine oder andere weitere Fünf-Sterne-Hotel findet, ist das Kempinski das einzige, das sich mit der Kategorie "Fünf-Sterne-plus" zieren darf. Übrigens auch das einzige Hotel in ganz Slowenien.

Das Kempinski mit der schönen Gartenanlage.

Das Hotel vermag aber nicht nur von außen, sondern auch von innen zu beeindrucken. Die Eingangshalle - zu der man in der ersten Etage von der Hinterseite des Hotels zufährt - wurde zwischen dem alten Hotelteil und dem neuen, modernen Zubau errichtet. Eine stolze, geschwungene Treppe führt entlang eines Vorhangs aus glitzernden Glassteinen nach unten, wo sich die Poollandschaft und eines der Restaurants befinden.

Wohnen kann man im alten oder im neuen Bauteil, die vom Stil her unterschiedlicher nicht sein könnten. 164 Zimmer und 17 Suiten stehen den Gästen zur Verfügung. Sind diese im alten Teil klassisch-elegant eingerichtet, findet man im Neubau modern durchdesignte Wohneinheiten. Was besser gefällt, liegt im Auge des Betrachters. Italienische Gäste ziehen dem Vernehmen nach eher den moderneren Stil vor, französische den klassischen.

Wie auch immer man sich entscheidet - die Zimmer sind selbst in der kleinsten Kategorie zumindest 30 Quadratmeter groß. Ob man die Blickrichtung zum Meer oder zum Park nimmt, ist Geschmackssache. Erstere ist zwar spektakulärer aber auch durch die Uferpromenade lauter, letztere ist ruhiger und bietet ebenfalls einen netten Blick auf die Hügel des schönen Hinterlandes.

Nächtigen im Kempinski Palace Portorož - klassisch elegant im alten Teil...

...oder modern im Neubau.

Beim Interior Design des Hotels - für das übrigens Jean-Claude Laville, der auch das Wiener Kempinski ausgestattet hat, verantwortlich war - findet man in vielen Elementen die Rose. Grund dafür ist der Ort an dem das Hotel steht - Portorož oder auf italienisch Portorose heißt übersetzt Hafen der Rosen. Das fängt bei der Dekoration der Zimmer an, geht über die Teppiche und führt sogar so weit, dass das Toilettenpapier von einem Rosenmuster geziert wird.

Kulinarisch bietet das "Palace" unter anderem ein Gourmet-Restaurant namens "Sophia" - eine Reminiszenz an Sophia Loren, die in den glamourösen 1960er Jahren hier zu Gast war. In der ehemaligen Empfangshalle beheimatet, bietet es abends mediterran und italienisch inspirierte Küche.

Das "Sophia" bietet kreative Gourmet-Küche.

Etwas legerer geht es im zweiten großen Restaurant des Hotels zu. Das "Fleur des Sel" hat zu Mittag und am Abend geöffnet und bietet Fusionküche aus der Region. Es befindet sich im Neubau und unterscheidet sich vom "Sophia" alleine schon optisch. Statt klassischer Restaurantausstattung findet man hier legere, weiße Ledersofas. Die Terrasse mit Blick auf die Bucht lädt neben dem Speisen auch zu Cocktails mit Blick auf die Bucht ein.

Relaxte Loungeatmosphäre im "Fleur de Sel".

Neben den beiden Restaurants wartet das "Palace" noch mit einer Reihe von Bars auf, wo man neben Drinks und Cocktails natürlich auch kleine Speisen bestellen kann. Letzteres ist auch vom Zimmer aus möglich - Room Service steht 24 Stunden am Tag zur Verfügung. Die überdimensionierte Zimmerkarte würde übrigens vielen Gourmetrestaurants gut stehen.

Besonders spannend ist übrigens das Frühstück. Zum einen ist es - dem Level des Hotels entsprechend - vielfältig und exzellent. Zum anderen wird es im Ballsaal des Hotels, dem "Crystal Room" serviert. Dabei handelt es sich um einen wunderschönen Jugendstil-Saal, der neben seiner Funktion als Frühstücksraum auch für Veranstaltungen verwendet wird. Besonders beliebt ist er auch bei Hochzeitsempfängen - ein traumhafter Saal im Palast für den schönsten Tag des Lebens sozusagen.

Die beeindruckende "Crystal Hall".

An die Adria kommt man natürlich nicht nur des Essens wegen - in der Regel wollen sich die Gäste hier auch entspannen und es sich anderwertig gut gehen lassen. Das "Rose Spa" - wie sollte es sonst heißen - bietet jede Menge Anwendungen für sie, ihn oder auch für Paare. Einer der Behandlungsräume ist für letzteres ausgestattet und bietet auch ein romantisches Whirlpool. Zum Spa gehört außerdem ein kleines, aber gut ausgestattetes Fitness-Center.

Spa für Paare.

Abkühlung bietet das hauseigene Pool, das über einen Innen- und Außenbereich verfügt. Originelles Detail sind die Duschen, die statt von oben von unten mit Wasser sprühen. Rund um den Pool gibt es Schirme, Liegen und überdachte Doppelbetten. Eine Poolbar bietet Champagner und bei Bedarf auch andere Getränke.

Ein kleines Manko des Hotels ist, dass es nicht direkt am Strand von Portoroz liegt. Eine Uferstraße und eine Einkaufs- und Restaurantzeile liegen dazwischen. Gäste des Hauses können allerdings einen privaten Strandabschnitt nutzen, der allerdings pro Tag und Person 20 Euro kostet. Dieser Betrag wird den eher betuchten Gästen des Hauses zwar in der Regel egal sein, eine Ideallösung stellt dies allerdings wohl nicht dar.

Pool des Hotels.

Wer nicht nur entspannen, essen und es sich im Hotel gut gehen lassen will, hat in der Umgebung viele Möglichkeiten, sich die Zeit zu vertreiben. So ist das malerische Städtchen Piran nur ein paar Kilometer entfernt und per Auto oder - ganz unkompliziert - per Bus zu erreichen. Die Salinen von Sečovlje sind ebenfalls benachbart und lassen die Herzen von Ornithologen und Naturliebhabern höher schlagen. Innerhalb einer knappen Stunde sind außerdem Ziele wie die beeindruckenden Höhlen von Škocjan oder die italienische Hafenstadt Triest erreichbar. Das sind aber nur ein paar wenige von vielen lohnenden Destinationen in der Umgebung.

Wie kommt man am besten nach Portorož? Dazu gibt es mehrere Möglichkeiten. Zum einen kann man natürlich das Linienflugzeug nehmen und über das eine gute Stunde entfernte Ljubljana anreisen. Von hier aus gibt es im deutschsprachigen Raum Linienflüge von Frankfurt, München, Wien und Zürich. Der näher gelegene Flughafen Triest bietet Verbindungen nach München und Weeze.

Wer mit dem eigenen Flieger anreist, hat es am einfachsten: Portorož verfügt über einen eigenen Flugplatz, auf dem allerdings aufgrund der kurzen Länge der Landebahn nur relativ kleine Flugzeuge landen und starten können. Mit der eigenen Jacht kann man natürlich auch anlegen - sowohl in Portorož als auch in Piran gibt es Marinas.

Wer von Österreich oder Süddeutschland anreist, wird in der Regel das Auto benutzen. Die Fahrzeit von Wien oder München beträgt im Normalfall knapp fünf Stunden. Von Zürich sind es hingegen schon rund sieben Stunden. Mit der Eisenbahn kann man über Ljubljana den Ort Koper erreichen, der mit dem Taxi rund 20 Minuten von Portorož entfernt ist.

Das Kempinksi in Portorož macht sowohl untertags als auch in der Nacht gute Figur.

Fazit

Das "Kempinski Palace Portorož" ist ein Grand Hotel der alten Schule, das durch seinen modernen Touch aber alles andere als verstaubt wirkt. Der Name Kempinski bürgt auch hier für Top-Qualität von der Ankunft bis zur Abreise. Die Destination an der malerischen Adria-Küste des kleinen Landes, das touristisch noch nicht so bekannt ist wie der Nachbar Kroatien, lädt überdies zu einer Vielzahl von Ausflügen ein - wenn man gerade nicht relaxen will.

Wohlfühlen werden sich im Kempinski unter anderem verliebte Paare, Babymooner und komfortliebende Menschen, die sich mit einer komfortablen Basis die wunderschöne Umgebung ansehen wollen. Weniger geeignet ist das Hotel für Kinder. Es gibt weder Kinderbetreuung (außer natürlich Babysitter) noch einen eigenen Poolbereich.

Die beste Reisezeit sind unserer Meinung nach die eher ruhigeren und noch nicht so heißen Monate Mai, Juni und September.


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